08-Geschichte - Auszeichnungen und Ehrungen

BUNDESPLAKETTE 2008

18.06.2009

Am 9. Mai 2009 übergab der Schleswig-Holsteinische Innenminister, Lothar Hay, die Bundesplakette 2008 an Flensburg 08. Anlass war das 100-jährige Bestehen des Vereins.

Im Folgenden der genaue Wortlaut der Laudatio des Innenministers:


Mehr als ein Millennium Sportvereinsgeschichte ist heute hier zusammengekommen, um eine Ehrung nachzuholen, die leider letztes Jahr nicht durchgeführt werden konnte. 

Unsere Vereine hatten ihre Anträge rechtzeitig gestellt. Doch organisatorische Schwierigkeiten beim DOSB haben dazu geführt, dass Urkunden und Plaketten für das Jahr 2008 erst ein paar Tage vor Weihnachten im Innenministerium in Kiel eingingen. 

Zu diesem Zeitpunkt hatten natürlich alle Vereine bereits ihre 100-Jahr-Feiern abgehalten. Alle Vereine haben die Ehrenurkunde des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein überreicht bekommen, die aus dem gleichen Anlass wie die Bundesplakette verliehen wird. 

Wenn der Bundespräsident seine Urkunde und Plakette nicht selbst aushändigt, sind sie vom Sportminister des Landes zu übergeben. Daher ist es eigentlich vorgesehen, dass wir sowohl die Landes- als auch die Bundesehrungen gemeinsam bei den Feiern der Vereine vornehmen. 

Dies war, wie gesagt, 2008 leider nicht möglich. Deshalb, und weil man eine solche Ehrung nicht per Post verschickt, haben wir Vertreterinnen und Vertreter der Vereine heute ins Landeshaus eingeladen, um die Bundesplakette in einem angemessenen Rahmen zu übergeben.

Die Bundesplakette kann seit 1984 als Auszeichnung für Turn- und Sportvereine verliehen werden, die mindestens 100 Jahre alt sind und die sich über Jahre besondere Verdienste um die Pflege und Entwicklung des Sports erworben haben. 

Diese Ehre wurde im letzten Jahr zu Recht insgesamt vierzehn Vereinen zu teil, von denen heute zwölf hier anwesend sind. Zwei Vereine aus Schleswig-Holstein erfuhren eine besondere Ehre. Der Niendorf-Timmendorfer Sportverein NTSV Strand 08 e.V. und die Eutiner Sportvereinigung von 1908 e. V. waren im November letzten Jahres unter den bundesweit vier Sportvereinen, die eingeladen waren nach Rostock zum Empfang der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern anlässlich der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Übergabe des Vorsitzes in der Sportministerkonferenz. 

Dort haben sie die Urkunde des Bundespräsidenten erhalten. Deshalb sind diese beiden Vereine heute nicht mit dabei.

Kommen wir also nun zu den zwölf Vereinen, die heute ihre Auszeichnung erhalten. Ich beginne chronologisch mit dem Plöner Seglerverein von 1908 e.V., der am 26. Januar 2008 ein Jubiläum feierte. Der Verein ist eine anerkannte und geachtete Institution am Plöner See. Er ist in der Region verwurzelt und hat daher auch viele Freunde und Unterstützer rund um den See. Der Verein seinerseits setzt sich aber auch intensiv für sein Heimatgewässer ein. So liefert der Plöner Seglerverein mit seiner Arbeit ein Beispiel dafür, dass sich Sport und Umwelt durchaus nicht nur vertragen sondern auch von einander profitieren können. Letztes Jahr hat er die Aufgabe übernommen, die Markierungszeichen des Naturschutzgebietes „Inseln im Großen Plöner See“ zu betreuen – eine wichtige Arbeit und eine große Herausforderung. Auch die Beschränkungen auf Boote von maximal sieben Metern und 20 Quadratmetern Segelfläche, die den See befahren dürfen, sowie das Motorbootverbot trug und trägt der Verein mit. 

Mit seiner Arbeit begeistert er zahlreiche Menschen am Plöner See. Vor allem erreicht er in starkem Maße auch junge Menschen und kann sie für das Leistungssegeln begeistern. Mittlerweile ist der Plöner Seglerverein ein „Stützpunkt Binnensegeln Jugendkader“. Das Renommee des Vereins in Bezug auf seine Leistungsfähigkeit und seine Organisationskraft reicht weit über den Plöner See hinaus. Dies zeigte sich ebenfalls im letzten Jahr, als der Verein im August Ausrichter des „Europa Cup 2008 der Internationalen Olympiajollen Union“ sein durfte.

Der inzwischen 101-jährige Plöner Seglerverein ist ein sportliches Aushängeschild und ein Werbeträger für das Segelrevier Plöner See, die Stadt Plön und für Schleswig-Holstein insgesamt. Ihm gebührt zu Recht die Auszeichnung des Bundespräsidenten.

Nach den Plönern feierte der TSV Grömitz von 1908 e.V. am 29. Februar in der Gildehalle sein hundertstes Jubiläum. Gerade in den kleinen und überschaubaren gemeindlichen Strukturen wie bei uns in Schleswig-Holstein haben Sportvereine wie der TSV neben der körperlichen Ertüchtigung und dem Wettkampf auch eine wichtige soziale Funktion. Vielfach sind die Sportvereine neben der Freiwilligen Feuerwehr der soziale „Kitt“, der den gemeindlichen Zusammenhalt gewährleistet. 

Wenn der Sport und seine Vereine in einer Gemeinde gut gedeihen und sich entwickeln, dann kann der Sport in viele Lebensbereiche hineinwirken und diese ganz wesentlich fördern und bereichern. Ich denke hier an die Freizeitangebote, den Jugendbereich, an Prävention von Krankheit, Gewalt und Kriminalität, an den Zusammenhalt verschiedener Schichten, Generationen und Nationalitäten.

Vereine, die wie der TSV Grömitz nunmehr seit über hundert Jahren in ihrer Gemeinde fest verankert sind, bieten eine gute Basis, jungen Menschen auch an den Grenzen ihrer natürlichen Leistungsfähigkeit Halt und Geborgenheit zu geben.

In einer vom Saisongeschäft des Tourismus besonders geprägten Gemeinde wie Grömitz ist die Aufgabe der sozialen Bindung und der Pflege des Zusammenhalts für Sportvereine sicher nicht immer einfach. Gerade in der Hauptsaison bleibt oft wenig Zeit für das Vereinsleben. Umso wichtiger sind engagierte Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler, die das Vereinsschiff auch an den Klippen der Hektik des Saisongeschäftes stabil halten, damit der Verein in der etwas ruhigeren Zeit für die Mitglieder da ist, wenn die Gäste nicht mehr so zahlreich das Augenmerk der Grömitzer in Anspruch nehmen. Der TSV Grömitz bewährt sich seit nunmehr 100 Jahren erfolgreich in diesem schwierigen Fahrwasser. Auch er hat sich die Auszeichnung des Bundespräsidenten zu Recht verdient.

Weiter ging es im letzten Jahr mit dem Männerturnverein Gelting von 1908 e.V., der am 19. April seine Feierstunde abhielt. Bei dieser Feier im Gasthof Gelting habe ich von der Geschichte erzählt, dass viele Geltinger dachten, nun verplempern die jungen Leute ihre Zeit, als vor über hundert Jahren der MTV Gelting gegründet wurde. So glaubten die Meister aus dem Ort, ihre müden Gesellen würden sich im Betrieb vom Sport ausruhen.

In geradezu fataler Weise erinnert mich das an die Haltung, die heute in Teilen der Bevölkerung und in leider so manchem Unternehmen dem ehrenamtlichen Engagement entgegen gebracht wird. Ob dies die Freiwilligen Feuerwehren, die sozialen Organisationen oder eben die Sportvereine sind. Oft sehen sich die Mitglieder der Kritik gegenüber, ihr Engagement sei doch nur Zeitverschwendung, bei der Arbeit würden sie fehlen oder seien nicht ausgeruht. – Und dann gibt es dafür nicht mal Geld. 

Wie falsch die Meister schon damals lagen, hatten sie dann wohl doch schnell erkannt: Bereits drei Jahre nach der Gründung des MTV konnte man in Gelting nur noch Lehrling oder Geselle werden, wenn man Mitglied im Verein war und der Verein wuchs beständig. 

Vielleicht sollten sich auch heute Unternehmen überlegen, ob sie nicht sportliches und ehrenamtliches Engagement, wenn nicht zur Einstellungsbedingung so doch wenigstens als Einstellungskriterium einführen sollten. Denn Teamgeist, Fairness und das Gemeinschaftserlebnis prägen den Sport und damit prägt der Sport die Menschen – Eigenschaften, die sowohl im Privat- als auch im Berufsleben von Bedeutung sind. Damit kann man nicht früh genug anfangen. In Gelting ist es in einer für Schleswig-Holstein bislang – soweit ich weiß – einmaliger Ausprägung gelungen, schon den Kleinsten eine kontinuierliche sportliche Heimat zu geben. 

Mit dem „Spielkreisel“ als Spielkreis bietet der MTV Kindern vom Krabbelalter bis fünf Jahren in einer kindergartenähnlichen Einrichtung seit nunmehr über 21 Jahren eine Heimat. Damit hat auch der MTV Gelting die Auszeichnung des Bundespräsidenten mehr als verdient.

Am 16. Mai hat der Schützenverein Bargteheide und Umgegend von 1908 e.V. sein Jubiläum im Schützenhof gefeiert. Schützen- und Schießsportvereine haben es in den letzten Monaten nicht leicht. Neben den allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf Sportvereine hatten und haben die Schützen es auch mit den besonderen Herausforderungen ihrer Sportgeräte zu tun. Jeder Terroranschlag und jeder Amoklauf führen immer wieder zur Diskussion über das Waffenrecht. 

Das Waffengesetz überträgt den Schießsportverbänden eine hohe Verantwortung. Sie ermöglichen den Sportschützen nicht nur die Ausübung des Schießsports, sondern erleichtern Ihren Mitgliedern auch den Erwerb von erlaubnispflichtigen Schusswaffen, indem sie Sachkunde- und Bedürfnisbescheinigungen für Ihre Mitglieder ausstellen. Nach meiner Überzeugung sind die Schützenvereine in Schleswig-Holstein ihrer Verantwortung insgesamt sehr gut gerecht geworden.

Sie stellen sich all diesen Aufgaben und Herausforderungen ehrenamtlich. Ehrenamtliches Engagement ist eine besonders sinnvolle Art und Weise, seine eigene Freizeit ertragreich zu gestalten. Der Ertrag besteht in Freude, sozialer Wärme und menschlicher Zuwendung, und natürlich auch in öffentlicher Anerkennung. Diese Anerkennung soll dem Schützenverein Bargteheide und Umgegend von 1908 e.V. heute mit der Auszeichnung des Bundespräsidenten zu teil werden. 

Kommen wir nun zur Flensburger Sportvereinigung von 1908 e.V., die am 24. Mai ihre Jubiläumsfeier ausrichtete. Die Geschichte des Vereins beweist, die Wenigen, die was tun, bewegen deutlich mehr als die Vielen, die nichts tun. Und angefangen hat es in Flensburg sogar mit nur einem einzigen importierten Ball und seinem Besitzer.

Ein Däne, Sophus Breuning, brachte am 1. Januar 1908 dieses Sportgerät und seine Leidenschaft für den Fußball in das seit 1864 preußische Flensburg. Er bolzte denn auch nicht lange alleine auf der kleinen Koppel am damaligen Kleinbahnhof am Ostufer der Förde. Zwei weitere dänische Fußballspieler und angelockte Flensburger Jungs gesellten sich zu ihm und nur viereinhalb Monate nach dem ersten Ball gab es den ersten Fußballverein in Flensburg.

Flensburg 08 ist sich seiner deutsch-dänischen Gründungsgeschichte treu geblieben. Im Bewusstsein seiner geographischen Lage und im Zusammenwirken mit den Nachbarn bezieht der Verein die sportlichen und völkerverbindenden Möglichkeiten eines Vereins in einer Grenzstadt in seine Arbeit ein. Dabei profitiert nicht nur die Region, sondern natürlich auch der Verein selbst. Beispielhaft sei hier der dänische Nationalspieler und Torhüter Mogens Therkelsen genannt, der in den 70er Jahren das Tor für Flensburg 08 hütete.

Flensburg 08 ist auch heute Willens, seine Zukunft und die des Sports in der Region Flensburg in die Hand zu nehmen. Der Verein bemüht sich darum, die Kräfte im Fußball zu bündeln, er nutzt die Nähe zur Hochschule und legt ein Schwergewicht auf seine Kinder- und Jugendarbeit. Flensburg 08 bekommt daher mit Sicherheit zu Recht ebenfalls die Auszeichnung des Bundespräsidenten.


Ebenfalls im Mai, nämlich am 31., feierte Viktoria 08 Lübeck e.V. seinen 100. Geburtstag in der ehemaligen Feuerwache, die jetzt als Schulmensa ein Teil des berühmten Johanneum zu Lübeck ist. Viktoria – „die Siegerin“ – nannten sich 1906 bereits die Lübecker Straßenfußballer rund ums Lübecker Holstentor und so nannten sie dann auch 1908 ihren Verein. Damit errangen sie bereits ihren ersten Sieg – sie kamen aus der „Illegalität“ des gemeinen Straßenfußballs in den regulären und geordneten Spielbetrieb des Vereinsfußballs. 

In all den Jahren seiner Vereinsgeschichte schlug sich der Verein sportlich mit wechselnden Erfolgen im näheren und weiteren Umfeld der Hansestadt. Viktoria ist eben eine recht launische Frau. 

Doch was heißt eigentlich Sieg im Vereinssport – was macht den Erfolg der Vereinsarbeit eigentlich aus? Sind es wirklich die sportlichen Erfolge, die gewonnenen Punktspiele, der Aufstieg und die Meisterschaften? Klar, wer Fußball spielt, will nach 90 Minuten als Sieger vom Platz gehen. Doch Fußball ist mehr als 1:0 (Egidius Braun). Das eigentliche Ziel des Sports ist Spaß, Gemeinschaft, Fairness, Solidarität und wenn dies in einem Verein gelebt, erlebt wird, dann erst ist der Sieg wirklich ein Sieg. In diesem Sinne macht die Vereinsgeschichte von Viktoria 08 ihrem Namen alle Ehre. 

Immer wieder haben Teamgeist, Engagement und Freude am gemeinsamen Tun diesen Verein zu seinem 100-jährigen Vereinsjubiläum gebracht. Er erhält daher heute zu Recht die Auszeichnung des Bundespräsidenten. 

Am 06. Juni besuchten wir mit unserer Landesehrung den Rasensportverein Landkirchen e.V. auf Fehmarn, wo in einem Festzelt mit Gästen vom FC Hauingen aus Lörrach das hundertjährige Jubiläum gefeiert wurde. 

1908 lebten in Landkirchen 484 Einwohner, 60 Pferde und 35 Rinder. Seit 1905 fuhr über Landkirchen auch die Inselbahn auf Fehmarn. Neben den zwanzig Handwerkern im Dorf gab es 1908 um die Kirche herum drei Kaufleute, einen Tierarzt und vier Wirtshäuser. In einem dieser Wirtshäuser trafen sich am 20. Mai 1908 die Turnbegeisterten des Dorfes, um den Männerturnverein „MTV Landkirchen“, den Vorgänger des heutigen Rasensportverein Landkirchen e.V. zu gründen. 

So oder so ähnlich gründen in dieser Zeit an vielen Orten in Schleswig-Holstein sportbegeisterte Menschen Sportvereine, die bis heute weitgehend ehrenamtlich für die Bewohner ihrer Region Sport, Spiel und Bewegung anbieten; aber auch sozialen Zusammenhalt und gemeinschaftliches Erlebnis. 

Mit viel ehrenamtlichem Einsatz wurden auch die Sportstätten und das Sportlerheim in Landkirchen erstellt, auf die der Verein zu Recht Stolz sein kann und um den ihn manch anderer Verein beneidet. Besonders wichtig sind Sportvereine wie der Rasensportverein Landkirchen e.V. für die jungen Menschen. 

Der Sport leistet nämlich einen wichtigen Beitrag zur physischen und psychischen Entwicklung junger Menschen. Denn der Jugendsport ist nicht nur für die Verbesserung der sportlichen Leistung und als „Nachwuchsreservoir“ von hoher Bedeutung. 

Er hilft auch im Breitensport die körperliche Entwicklung und die Gesundheit der jungen Menschen zu verbessern. Außerdem hat er eine positive Wirkung auf die Charakterbildung. Fairness, soziales Engagement, Zusammenhalt und die Beachtung von Regeln werden für die jungen Menschen im Sport erfahrbar. Sport ist für junge Menschen Vorbild für ihr Leben.

Der Rasensportverein Landkirchen e.V. leistet diese vielfältige Arbeit eines Sportvereins nun seit über einhundert Jahren und verdient zu Recht die Auszeichnung des Bundespräsidenten. 

Am 27. Juni hatte der TSV „Frisch-Auf“ Pahlhude seine Jubiläumsfeier in der Turnhalle in Pahlen. Auch hier zeigte sich die starke Verwurzelung unserer Sportvereine bei den Menschen vor Ort und im gesellschaftlichen Leben in der Region. Vor allem die Resonanz bei den jungen Menschen gibt Anlass zu Optimismus für die Zukunft der Sportvereine im Lande. In Pahlen hat das Engagement für die Jugend Vereinstradition. So wird von dem „Chef“ Soldwedel, einem langjährigen Vorsitzenden dieses Vereins, gesagt: „Diesem, von ganz besonderen sportlichen Idealen durchdrungenen Förderer der Jugend liegen nur die Belange der Jugend am Herzen, für die er sich auch noch jederzeit bedingungslos einsetzt.“

Doch er war und ist nicht der Einzige im TSV, der sich mit Vehemenz für die Jugendarbeit des Vereins eingesetzt hat.

Handballobmann Herbert Zieht hat einmal den Handballern des Vereins deutlich hinter die Ohren geschrieben: „Unsere Arbeit dient unserer Jugend und ohne sie ist der Verein zum Untergang verdammt.“

Bei solchen deutlichen Positionen ist es daher kaum verwunderlich, dass diese Vereinstradition der Jugendarbeit bis heute Bestand hat. Eine Arbeit, mit der Vereine wie der TSV „Frisch-Auf“ Pahlhude, auch eine wichtige Aufgabe bei der Erziehung unserer Jugend wahrnehmen. 

Der Sport mit seinen Regeln, dem Gebot der Fairness und der Verantwortung des Einzelnen für seine Mannschaft und seinen Verein stellt dabei eine exzellente Schule für das Leben dar. 

Und für sportlichen Erfolg sind auch heute noch neben dem Talent und Trainingsmöglichkeiten Disziplin und Pflichtbewusstsein die entscheidenden Voraussetzungen. 

Neben den Schulen haben die Sportvereine gerade heute eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die sie in hervorragender Weise erfüllen. Dafür sage ich Ihnen allen im Namen der Landesregierung Dank und Anerkennung. 

Das Sporttreiben im Verein dient natürlich der eigenen Fitness der Sportler und damit ihrer Gesundheit. Aber sportlich fitte Menschen sind gesünder und entlasten damit das Gesundheitssystem, feiern weniger krank – die sportbedingten Fehlzeiten sind bei weitem nicht so hoch. 

Mediziner und Psychologen haben festgestellt: Sport setzt Stoffe in unserem Körper frei, die wir als Glückshormone bezeichnen können. Wer Sport treibt, ist also optimistischer und fröhlicher als andere! Sportvereine wie der TSV „Frisch auf“ leisten also einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Laune im Land. Eine nicht zu unterschätzende gesellschaftliche Aufgabe, wo uns Deutschen doch immer die „Jammer-Krankheit“ nachgesagt wird.

Der TSV „Frisch-Auf“ Pahlhude erhält also aus vielen guten Gründen zu Recht die Auszeichnung des Bundespräsidenten.

Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass der Niendorf-Timmendorfer Sportverein NTSV Strand 08 e.V. sein hundertjähriges Jubiläum am 28. Juni in der Trunkkurhalle in Timmendorfer Strand feierte. Dieser Verein hat, wie gesagt, seine Bundesplakette bereits in Rostock erhalten. 

Der nächste Verein war einen Tag später am 29. Juni die Albersdorfer Schützengilde von 1908 e.V., die ihre Feierstunde im Café-Restaurant-Waldesruh vor dem Umzug mit Schützen aus 23 Schützenvereinen durch die Gemeinde Albersdorf durchführte. Wie ich bereits beim Schützenverein Bargteheide bemerkte, sind die Zeiten für die Schützenvereine angesichts der Diskussionen um die Anschläge schwierig. 

Der Deutsche Schützenbund, dem auch der Nordwestdeutsche Schützenbund und damit auch die Albersdorfer Schützengilde angehört, ist der einzige Verband für Sportschützen innerhalb des DOSB so wie auch der Nordwestdeutsche Schützenbund der einzige Verband der Sportschützen in Schleswig-Holstein ist, der Mitglied im LSV ist. Leider gibt es neben dem Deutschen Schützenbund noch mindestens 46 weitere Verbände, die auf Bundesebene Schützen und Schießsportler vertreten. 

Im Nordwestdeutschen Schützenbund mit seinen 427 Vereinen und rund 28.000 Mitgliedern wird in der Regel das Schießen mit Luftpistole, Luftgewehr oder Kleinkalibergewehr betrieben. 

Das sog. IPSC-Schießen, bei dem mit Schnellfeuerwaffen eine Art „Häuserkampf“ simuliert wird, und das als besonderes Negativbeispiel für „so genannten Spießsport“ gilt, wird vom Nordwestdeutschen Schützenbund genauso wie das „Combat-Schießen“ abgelehnt und ist in seinen Mitgliedsvereinen untersagt. 

Sie können also in Schleswig-Holstein ruhig und - wie wir es von den norddeutschen Schützen gewohnt sind - sachlich in die Diskussion um Konsequenzen aus den schrecklichen Ereignissen der letzten Zeit gehen.

Die Mitglieder der Albersdorfer Schützengilde stehen auch in diesen stürmischen Zeiten fest zu ihrem Verein und sind tief verwurzelt in ihrer Gemeinde. Dies zeichnet die Gilde über ihre hundertjährige Geschichte hinweg aus. Es gibt glücklicher Weise auch junge Menschen, die sich in dieser Gemeinschaft der Albersdorfer Schützengilde wohl fühlen. 

Mit ihrer Jugendarbeit bieten Sportvereine die beste Gewähr für ihre Zukunft. Sie verbinden Generationen miteinander, vom Opa bis zum Schüler, Jungen und Mädchen, Frauen und Männer. Sie nutzen in der Leistungsspitze modernste Technik in Training und Wettkampf, bieten jedoch genauso gut einfache Möglichkeiten der Sportausübung für Jedermann. Die Albersdorfer Schützengilde erhält also aus guten Gründen zu Recht die Auszeichnung des Bundespräsidenten.

Der Männerturnverein Wrohm von 1908 e.V. hatte zwar bereits am 29. März seinen großen Festkommers, aber leider war es aus terminlichen Gründen nicht möglich, bei dieser Feier auch die Landesurkunde zu übergeben. Aber am 4. Juli im Rahmen der Sportwoche des Vereins haben wir dies im Festzelt nachgeholt. 

Jetzt sollte man bei diesem Termin doch eigentlich das schönste schleswig-holsteinische Sommerwetter erwarten können. Darauf hatten die Verantwortlichen des Vereins auch gesetzt. Doch das im Anschluss an die feierliche Übergabe stattfindende „Spiel ohne Grenzen“ musste von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Regen unter erschwerten Bedingungen absolviert werden. 

Aber mit widrigen Bedingungen hat der Verein Erfahrung. Die Gründung des Vereins wurde wie in vielen Orten 1908 zunächst sehr skeptisch betrachtet. Deshalb gab es ebenso in Wrohm anfangs „schwerwiegende Bedenken“ gegen die Gründung eines Turnvereins. Die Gemeindevertretung wollte nicht so recht. Erst als sie selbst für die Jugend- und Volksspiele einen öffentlichen Spielplatz errichtete, war die Gemeindevertretung einer Vereinsgründung zugänglicher. 

All dieser Widrigkeiten zum Trotz legte der MTV Wrohm einen fulminanten Start hin. Immerhin hatte der Verein aus dem Stand 31 aktive Mitglieder. Bei damals vielleicht 300 bis 400 Einwohnern schon ein klasse Auftakt. Aber der Verein erkannte schon damals, wie wichtig „Sponsoren“ sind. Zum einen unterstützte der ortsansässige Wirt den Vereinsstart mit 50 Mark. Zum anderen wurde gleich zu Beginn erfolgreich um passive Mitglieder geworben. Gut doppelt so viele wie aktive Sportler fanden sich. 

Auch heute liegt in der Pflege der passiven Mitglieder ein wichtiges wirtschaftliches Potential für die Vereine. 

Natürlich wäre es mir lieber, alle Menschen würden in allen Lebensphasen selbst aktiv Sport treiben. Aber wenn die Menschen das schon nicht tun, dann können sie vielleicht gewonnen werden, mit einer „Fördermitgliedschaft“ das Sporttreiben insgesamt zu unterstützen. Sie würden damit mindestens einen genauso wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten, wie sie dies bei Kulturvereinen, Umweltorganisationen oder Hilfswerken tun. 

Denn Sportvereine wie der MTV Wrohm leisten viel, sehr viel für unsere Gesellschaft. Sie halten die Menschen in Bewegung und damit gesund. Sie bieten neben ihren Sportangeboten auch soziale Geborgenheit und Heimat. Denn seine über 230 Mitglieder bedeuten, dass fast jeder dritte Bürger Wrohms Mitglied im MTV ist. Dabei ist es aus meiner Sicht besonders erfreulich, dass darunter fast die Hälfte Kinder und Jugendliche sind. Der Verein legt damit natürlich sein Fundament für die nächsten hundert Jahre. Aber er wirkt auch der Bewegungsarmut unserer Kinder entgegen, hält sie fit und bietet mit dem Sport und seinen Regeln auch eine Schule für das Leben unserer Kinder. 

Fairness, Leistungswille, Sozialverhalten und Teamgeist sind sportimmanent. Diese Eigenschaften stellen aber auch die wesentlichen Qualifikationen für das weitere – insbesondere auch berufliche – Leben der Kinder dar. Auch der MTV Wrohm erhält damit zu Recht die Auszeichnung des Bundespräsidenten.

Am 5. Juli war das Wetter bei der Feier im Vereinsheim und auf der Sportanlage des V.f.B. Union-Teutonia Kiel von 1908 e.V. so, wie es sich die Wrohmer gewünscht hätten. 

Doch die letzten hundert Jahre boten nicht immer nur ein angenehmes Klima für den Verein. Kriege und nationalsozialistische Diktatur mussten 
überstanden werden. Auch sportlich ist das Glück einem Fußballverein nicht immer hold. So schlug sich der VfB Union-Teutonia im Laufe der Jahre mit wechselnden Erfolgen in Kiel, im Bezirk und im Lande.

Doch der eigentliche Erfolg der Vereinsarbeit liegt in Spaß, Gemeinschaft, Fairness und Solidarität. Wenn dies im Verein gelebt wird, dann ist die Liga zweitrangig. Dann arbeitet der Verein erfolgreich. Umgekehrt gilt dies genauso. 

Die höchste Liga ist für mich keine erfolgreiche Vereinsarbeit, wenn das Vereinsleben nicht von Spaß, Gemeinschaft, Fairness und Solidarität geprägt ist. Da ist für mich manch kleiner Verein erfolgreicher als fernsehbekannte Clubs.

Im VfB Union-Teutonia haben Teamgeist, Engagement und Freude am gemeinsamen Tun der Mitglieder den Verein wachsen und gedeihen lassen. Mitglieder, die auf dem Platz für den spielerischen Erfolg kämpfen – aber Mitglieder das sind eben auch die vielen Menschen, die ehrenamtlich die vielen Aufgaben im Verein übernehmen, ohne die die Elf auf dem Platz kaum eine Chance zum Spiel hätte. 

Die Mütter und Väter, die Trikots waschen und Chauffeur spielen, die Trainer und Übungsleiter, die Platzwarte und Spielfeldbetreuer, Vorstände und nicht zu vergessen die Schiedsrichter. 

Solche Mitglieder zeichnen den UT Kiel aus und damit erhält er zu Recht die Auszeichnung des Bundespräsidenten.

So richtig traditionell und zünftig feierte der Schützenverein Linau und Umgebung am 11. Juli sein hundertjähriges Bestehen im Schützenzelt mit Spanferkelessen und abwechslungsreichem und umfänglichen Showprogramm auf der Bühne. Da blieb so manchem Besucher vor Begeisterung und vielem herzhaften Lachen schon mal die Luft weg. Dabei ist die Atmung eines Schützen sehr wichtig. Mit Hilfe der Atmung wird der Körper mit Sauerstoff versorgt, der Puls reguliert, die richtigen Spannungsverhältnisse im Körper erreicht, die Ruhehaltetechnik verbessert, die Stresssituation unter Kontrolle gehalten und das Umfeld abgekoppelt.

Diesen Zustand benötigt ein Schütze, um in seinem Sport erfolgreich zu sein, Denn einem Schützen nützt das gute Auge alleine nichts, wenn die Hand zittert. Der Schütze lernt deshalb in diesem Sport, sich zu entspannen und innere Ruhe zu finden, um damit seine Leistung zu verbessern. Dies dient aber nicht nur der Verbesserung der sportlichen Leistung, sondern hilft dem Sportler auch außerhalb des Schießstandes.

Gerade in unserer heutigen hektischen Zeit mit dem vielen ungesunden Stress bietet der moderne Schießsport einen hervorragenden Ausgleich. 

Außerdem lernt der Schütze in der Ausübung seines Sportes, dass jeder Schuss nicht nur etwas über seinen Leistungsstand aussagt. Der Schütze lernt auch etwas über sich selbst. Denn:

So wie man ist, so schießt man auch. 
So wie man das Schießen verbessert, 
so verbessert man sich selbst.

Der Schießsport bietet viele gute Grundlagen für Charakterbildung und Entspannung, aber auch viele Risiken und Gefahren, wenn man Regeln und Gesetze nicht einhält. 

Wie in Bargteheide und in Albersdorf haben sie in Linau die Aufgabe und Verantwortung im Verein und bei Ihren Mitgliedern konsequent auf die Einhaltung der Regeln hinzuwirken. Erziehung zu verantwortungsbewusstem Handeln und zum sorgsamen Umgang ist für alle Sportvereine, aber in besonderem Maße für Schützenvereine von großer Bedeutung. 

Sie sind in Linau - wie auch in den anderen beiden Vereinen - dieser Aufgabe gerecht geworden und haben eine hervorragende Vereinsarbeit geleistet. Daher erhält der Schützenverein Linau und Umgebung zu Recht die Auszeichnung des Bundespräsidenten.

Zu guter letzt und zur Vervollständigung unserer Jubilarliste aus dem vergangenen Jahr: Die Eutiner Sportvereinigung von 1908 e.V. hat am 15. August ihr hundertjähriges Bestehen in der Kundenhalle der Sparkasse Holstein gefeiert. Dieser Verein hat, wie gesagt, seine Bundesplakette bereits in Rostock erhalten. 

Kommen wir nun zur Verleihung der Sportplakette des Landes an Herrn Marc Aurel Pickel, der nicht an der Feier im Haus des Sports teilnehmen konnte und den ich jetzt nach vorne bitte.

Mitte der 1990er Jahre war Marc Aurel Pickel Kernmitglied der Initiative Aerosail, die der Automobilhersteller Daimler-Benz zur Förderung des Segelsports ins Leben gerufen hatte. Als Mitglied der Crew der „Astro“ gewann er 1994 die Regatta der Kieler Woche und den Sardinia Cup.

Ende 1995 stieg er auf das olympische Starboot um. Mit verschiedenen Vorschotern an seiner Seite erreichte er bei einer ganzen Reihe bedeutender Regatten Spitzenplatzierungen: Zusammen mit Carsten Witt wurde er 1997 vor Varberg Dritter der Europameisterschaft. Drei Jahre später holte er sich zusammen mit Thomas Auracher vor Gaeta den Titel. Von Juni 1998 bis September 1998 und dann noch einmal im Februar 1999 stand er an der Spitze der Weltrangliste der International Sailing Federation.

Mit Auracher als Vorschoter nahm Pickel 2000 in Sydney erstmals an Olympischen Sommerspielen teil und erreichte Rang 12. Vier Jahre später verfehlte er zusammen mit seinem neuen Vorschoter Ingo Borowski die Norm des Deutschen Sportbundes zur Qualifikation für die Sommerspiele in Athen. 

Im Frühjahr 2008 sicherten sich Pickel/Borowski mit Rang 5 bei der Weltmeisterschaft vor Miami die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Peking, wo sie anschließend den 9. Platz belegten.

Damit komme ich nun zur nachträglichen Verleihung der Sportverdienstnadel an Herrn Dieter Bünning, der ebenfalls bei der Feier im Haus des Sports letztes Jahr nicht teilnehmen konnte und den ich nun zu mir nach vorne bitte.

Dieter Bünning setzt sich seit über drei Jahrzehnten ehrenamtlich für ein ganz besonderes Ziel ein: Die Aufwertung seines Kieler Stadtteils Gaarden. Bereits 1978 übernahm er das Amt des Schriftwartes im TuS Gaarden. Seither prägte er maßgeblich die Pressearbeit und die Vereinszeitung seines Vereins. Über den 1996 vollzogenen Zwischenschritt des 2. Vorsitzenden übernahm er 2000 das Amt des 1. Vorsitzenden des TuS Gaarden. Seither ist er die treibende Kraft für viele attraktive Angebote des Vereins, die auch auf eine Verbesserung der Lebensqualität in seinem Stadtteil abzielen. So ist Dieter Bünning mittlerweile selbst aktiv in die erfolgreichen Projekte „Sport gegen Gewalt“ und „Integration durch Sport“ eingebunden. Dieter Bünning ist Mitglied der Gaardener Runde und seit 2007 auch im Vorstand des Fördervereins Gaarden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit