08-Geschichte - Die Spielstätten

VOM SPORTPLATZ AM SENDER INS FLENSBURGER STADION

Bis 1914 gab es in Flensburg nur einen einzigen Sportplatz, nämlich das innerhalb der großen Zement-Radrennbahn am Schützenhof gelegene Fußballfeld des Männer Turnvereins (MTV). Es stand aber hauptsächlich den Turnern für ihre Schlagball- und Faustballspiele zur Verfügung. Im Winter wurde die Spielfläche sogar unter Wasser gesetzt, damit die Allgemeinheit den Schlittschuhsport ausüben konnte. Die Platzfrage war deshalb jahrelang das größte Sorgenkind des im Jahre 1908 neu entstandenen Flensburger Fußballvereines F.F.C.. So lag man schnell mit den Turnern wegen der Benutzung des Sportplatzes in Harnisch und die Stadt musste sogar einschreiten und Regelungen treffen. Man spielte deshalb versuchsweise auf der Exe, auf der Waldwiese an der Marienhölzung oder auf dem Kasernenhof an der Junkerhohlweg-Kaserne. Im Jahre 1915 sollte der neue Sportplatz am Adelbyer Kirchenweg vom Verein F.F.C. übernommen werden. Doch durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 wurde die Weiterentwicklung des Fußballspieles erheblich erschwert und bis Kriegsende 1919 kam das Fußballspiel in Flensburg zum Erliegen. Nachdem man 1919 wieder langsam mit dem Wiederaufbau des Fußballspieles begann, wurde am 22. Mai 1921 der vereinseigene Sportplatz am Adelbyer Kirchenweg eingeweiht. Der F.F.C. war nach dem Kriege von 14 Mitgliedern auf 640 Mitglieder angewachsen und baute sich für 120 000 Mark eine schöne Sportplatzanlage mit 2 Spielfleldern, ein Spielfeld mit Aschenbahn, Vereinsheim und zwei Tennisplätze.

Um in Flensburg einen spielstarken Fußballclub auf die Beine zu stellen, beratschlagen die Verantwortlichen der Vereine FFC 08 und der Flensburger Sportverein der Geher (SVdG) über eine Fusion. Am 18.12.1925 wird dann der Zusammenschluß beider Vereine unter dem Namen "Sportvereinigung Eintracht" beschlossen.

Auf einem der beiden Sportplätze am Adelbyer Kirchenweg wurde 1931 der Flensburger Rundfunksender in Betrieb genommen. Der hölzerne Sendemast ähnelte dem Pariser Eiffelturm. Die Sportanlage wurde erheblich verkleinert und auch die Aschenbahn fiel dem Senderbau zum Opfer. Es blieb nur noch der „Platz am Sender“ übrig, der im Laufe der Jahre den steigenden Spielbetrieb nicht mehr verkraften konnte.

Der Nationalsozialismus hatte um Flensburg keinen Bogen gemacht und in den Jahren 1933 bis 1945 wurde die Sportanlage am Sender für Zwecke der SS in Anspruch genommen. Bereits ab dem Jahre 1934 fanden aufgrund der politischen Geschehnisse kaum erwähnenswerte Gesellschaftsspiele mehr statt. Der bis dahin freie Sport erfuhr durch die nationalsozialistische Staatsführung eine Andersbewertung. 1935 wurden die Vereine VfL Nordmark und der SV Eintracht nach dem Motto " Einigkeit macht stark" zur heutigen Flensburger Sportvereinigung von 1908 e. V. (FSV 08) zusammengelegt. Die wenigen Spiele wurden im Flensburger Stadion ausgetragen. Die NS-Zeit und der 2. Weltkrieg hatte für das Vereinsleben und dem Fußballsport schädliche Auswirkungen und brachte den aktiven Vereinssport völlig zum Erliegen. Nur die älteren 08er hielten die kleine Flamme des Vereinsleben durch Zusammenkünfte weiter am Leben. Die SS hatte das Vereinsheim zerstört und von den beiden Tennisplätzen war nichts mehr zu sehen. Es war dort ein großer Löschteich angelegt.

Mit großem Idealismus startete der Verein 1946 einen Neuanfang an seiner alten Sportstätte am Sender. Der Platz wurde wieder hergerichtet und mit Unterstützung des damaligen städtischen Sportförderungsausschusses wurde auch das Vereinsheim wieder aufgebaut.

1957 wurde der Flensburger „Eiffelturm“ durch einen 205 Meter hohen neuen Fernsehmast ersetzt. Der Stahlrohrmast hatte einen Durchmesser von 1, 80 Meter und wurde der „rot-weiße Bleistift“ genannt. Vier Tage vor Weihnachten 1957 strahlte er die ersten Fernsehsendungen aus. Doch damit begannen grundlegende Probleme für den Verein. Während der Bauphase von Mai 1957 bis November 1957 sollte der Spielbetrieb 6 Monate am Sportplatz am Sender ruhen. Aber es kam ganz anders. Die Sportplatzanlage konnte nicht mehr genutzt werden. Immer im Winter schlug sich die Feuchtigkeit auf Antennen und den Haltetrossen nieder und wurde zu Eis. Stiegen die Temperaturen wieder, taute dieser Panzer und mächtige Eisbrocken stürzten in die Tiefe. An den Dächern der Häuser in der Nachbarschaft entstanden große Schäden. Wegen der Eisschlaggefahr musste der Spielbetrieb am Sender und das Vereinsleben dort vollständig eingestellt werden. Die Spiele fanden hauptsächlich auf den Plätzen im Flensburger Stadion aber auch auf Plätzen anderer Flensburger Vereine statt. Versammlungen und Besprechungen wurden in verschiedenen Gaststätten durchgeführt. Die große 08-Familie schien auseinander zufallen. Der Verein hatte schwere Jahre der Heimatlosigkeit zu überwinden, was sich auch im sportlichen Geschehen auswirkte. Von der Stadt bekam der Verein ein neues Gelände am Blasberg (Flensburger Stadion) zugewiesen. Der Verein verkaufte das barackenförmige Vereinsheim am Sportplatz am Sender 1960 an die Stadt, die es später als Jugend- und Freizeitheim nutzte. Es folgten mit dem Norddeutschen Rundfunk jahrelange Auseinandersetzungen über die Höhe der Entschädigungsleistungen. Der Verein wurde mit einem relativ kleinen Betrag i. H. von 29 000, 00 DM abgefunden.
Es begannen gleichzeitig Planungen für die neue Sportstätte am Flensburger Stadion. Die Stadt stellte dem Verein ein unwegsames Gelände hinter dem Hauptstadion zur Verfügung. Ein Jugendheim und 2 neue Spielfelder wurden gebaut. Der Verein musste erhebliche Eigen- und Finanzierungsmittel, für die beiden Plätze 122 600 DM und für das Jugendheim 162 400 DM, aufbringen. Nach jahrelanger sogenannter „Heimatlosigkeit“ erfolgte am 30.10.1965 die Einweihungsfeier für die neue Sportanlage am Flensburger Stadion. Im Jahre1987 wurde die Anlage durch 3 Tennisplätze erweitert. Zusammen mit dem Flensburger Hockey-Club wurde die Tennisgemeinschaft am Stadion gegründet.

Die jahrzehntelang anhaltenden und belastenden Finanzierungs- und Unterhaltungskosten der vereinseigenen Sportanlage am Flensburger Stadion führten Ende 2005 zwangsläufig zum Verkauf der Sportanlage. Die Spielfelder wurden an die Stadt abgegeben und das Vereinsheim an einen Flensburger Immobilienhändler verkauft. Der Verein pachtete ab 01.07.2006 die bisherige Gaststätte im Flensburger Stadion von der Stadt, nutzt diese als Vereinsheim und betreibt seinen Vereins- und Spielbetrieb nunmehr im Flensburger Stadion.

Horst Höfer