08-Geschichte - Das erste Fussballspiel

Das erste Fußballspiel in Flensburg

Man sucht in Archiven und Chroniken, um die brennende Frage beantwortet zu bekommen, wann in Flensburg überhaupt das erste Mal Fußball gespielt wurde. Das moderne Fußballspiel hatte nämlich seinen Ursprung in England. 1857 wurde in Sheffield der älteste Fußball-Club Europas gegründet. Englische Kaufleute, Studenten und Schüler brachten das Fußballspiel um 1870 nach Deutschland. Der Deutsche Fußball-Bund gründete sich am 28. Januar 1900.

Das moderne Fußballspiel in Flensburg hatte seine Geburtsstunde erst im Jahre 1908. Der Fußball wurde auch nicht durch englische Bürger nach Flensburg eingeführt, sondern der dänische Lokführer und Fußballspieler Sophus Breuning wurde im Januar 1908 beruflich von Kopenhagen nach Flensburg versetzt. In seinem Reisegepäck befand sich ein Fußball, der erste Fußball in Flensburg. Auf einer kleinen Koppel am damaligen Kleinbahnhof am Flensburger Ostufer (Ballastbrücke) bolzte Sophus Breuning in seiner Freizeit gerne herum und war froh, dass sich bald kleinere und größere Jungs dazu gesellten und die Liebe zum Fußball entdeckten. Es waren bald so viele Jungen am Platze, dass sogar auf zwei Toren gespielt werden konnte. Als Tormarkierungen dienten große Steine. Sophus Breuning erklärte die Begriffe des richtigen Fußballspiels. Es wurden nunmehr Mannschaften aufgestellt und diese auch mit Namen, wie Teutonia, Athena, Borussia usw. versehen. Die neuen Fußballspieler waren hauptsächlich Flensburger Turner und Schlagballspieler, die bereits um die Jahrtausendwende im damaligen Männer- und Turnverein locker das Fußballspielen übten. Aber auch die beiden erstklassigen dänischen Fußballspieler Erick Steenstrup und A. Frederiksen vom Kopenhagener Fußball-Club „Hellerup Idraetspark“ verschlug es 1908 beruflich nach Flensburg. Sie waren junge Dänen, die in Flensburger Kauf- und Handelshäuser ihre Lehrzeit absolvierten oder als Volontäre tätig waren. Sie unterstützen Sophus Breuning nicht nur bei seiner Aufbauarbeit, sondern sie gründeten mit den anderen Flensburgern Max Jost, Erich Musche, Andreas Larsen, Jörgensen, H. Juul und H. Lund am 15.04.1908 den „Flensburger Fußball-Club von 1908“. Allein schon aus den Namen mag man ersehen, dass das „dänische Element“ in den ersten Jahren der Gründungszeit überwog.
Die Gründungsversammlung wurde am Mittwoch, 15.04.1908, im Restaurant „Kaiserhof“ in der Toosbüystraße abgehalten. Max Jost wurde zum 1. Vorsitzenden und Sophus Breuning zum 2. Vorsitzenden gewählt. Der Flensburger Fußball war geboren.

Horst Höfer

Artikel aus der Vereinszeitschrift März 1971 :

Fußball anno dazumal

1908 war ich in einem Flensburger Großhandelshaus als kaufmännischer Lehrling tätig. Ältere Lehrlinge und Junggehilfen, dänische Staatsbürger, die deutsche Sprachkenntnisse erwerben sollten, waren auch bei derselben Firma beschäftigt. Diese jungen Leute und eine handvoll Flensburger Jungs hatten gerade den Flensburger Fußball-Club (FFC) (jetzt Flensburg 08) aus der Taufe gehoben. Es war ein bescheidener Anfang. Da der Fußball damals in Deutschland noch in einem bescheidenen Rahmen steckte, war es ja auch für uns nicht leicht Fuß zu fassen. Aber jung muß man sein und Mut muß man haben, sagten sich die Gründer. Nun mußten wir ja auch noch einen Platz haben; das war nicht leicht. Die Flensburger Behörden hatten noch nicht viel vom Fußballspiel gehört und sahen unser Unternehmen als "Eintagsfliege" an. Aber anhalten tut kriegen und schließlich bekamen wir den Platz zwischen der Radrennbahn am Schützenhof zugewiesen. Es war ein schöner großer Rasenplatz. Wir waren sehr froh! Für wenig Geld und viele gute Worte bekamen wir 2 Tore (schwer wie Blei) gezimmert. Zu jedem Spiel wurden die Tore herangeschleppt und in die vorgearbeiteten Löcher hineingehoben. Nach dem Spiel wurden die Tore herausgenommen und in einem Raum, den uns der Schützenverein freundlicherweise zur Vergügung stellte, hineingelagert. Ein Fußball war in Flensburg nicht zu kriegen und mußte in Hamburg in einem Spezialgeschäft bestellt werden. Unsere dänischen Kollegen in unserer Firma hatten reiche Väter und ich habe den Eindruck, daß diese ohne ihr Wissen zu einem nennenswerten Zuschuß herangezogen wurden. Auch zu einem Dreß kamen wir ( ich sage "kamen wir", eigentlich gehörte ich da noch gar nicht zu, aber ich war so begeistert von der Sache, daß man mir das "wir" verzeihen möge). Soviel ich noch erinnere: weiße Hose, blaue Strümpfe und blaues Jersey. Schon die ersten Spiele gefielen mir gut. Nach meiner Laien-Meinung wurde flott gespielt. Der Linksaußen Frederiksen und der Mittelstürmer Steenstrup hatten einen guten Spielwitz und eine ausgezeichnete körperliche Verfassung.

Nach einiger Zeit, ich war immer noch so begeistert, ging ich mit klopfenden Herzen zum Trainer, ein netter, etwa 30-jähriger Mann und bat um eine Aufnahme als aktives Mitglieder. Dieser sah mich lange wohlwollend an und sagte dann: " Schja, ich weiß nicht so recht. Dann musst Du erstmal eine zeitlang trainieren und dann wollen wir sehen". (Jugendabteilung hatten wir  nocht nicht). Da ich beim Prinzipal wohnte und jeden Abend beim Zubettgehen Gute Nacht sagen mußte, blieb mir nichts anderes übrig, zu fragen, ob ich beim Fußball-Club abends trainieren durfte, einmal die von Woche von 8 - 9 1/2 Uhr abends. Das wurde mir glatt abgeschlagen. Einesteils verständlich vom Chef, denn ich hatte eine 84-stündige Arbeitszeit. Glauben Sie nicht? Mein Ehrenwort. 84 Stunden die Woche. An 6 Tagen je 14 Stunden von 6 1/2 bis 20 1/2 Uhr, eine Pausen zwischen den Mahlzeiten. Dazu kam noch die Zeit zwischen der Kirchzeit am Sonntagmorgen. So ist es wohl  verständlich , daß man mir  bei der hohen körperlichen Beanspruchung das "Vater unser" durch die Backen lesen konnte. Das hat mir soviel zu denken gegeben , daß ich es sofort mit leichtathletischen Übungen und Schwimmen versuchte, meinen Körper fit zu kriegen. Das gelang mir  auch und 1914 stand ich schon im Krieg an der Front ununterbrochen bis 1918. Als ich 1919 nach Flensburg zurückkehrte, habe ich mich sofort bei 08 gemeldet und bin seit dem 14. Mai 1919, also über 50 Jahre Mitglied. Das war ein Leben für den Sport und es war ein schönes Leben. Außer bei 08 war ich auch noch 30 Jahre bei den Schwimmern und 15 Jahre deren Vorsitzender.

Allen meinen Freunden, Athleten, Fußballern und Handballern wünsche ich Gesundheit, Freude am Sport und gute Erfolge 1971 für unsere Flensburger Sportvereinigung von 1908 e. V..

Euer Alterspräsident und Ehrenmitglied

Friedrich Schwichtenberg